Sozialismus – von Jungsozialistinnen? Nein, Doch, Oh!

Was fällt dem nur ein? Wie kann der Vorsitzende der Jungsozialistinnen innerhalb der SPD, Kevin Kühnert, nur mehr demokratischen Sozialismus fordern (sorry, leider Premium-Artikel).

Für alle die kein Zeit-Premiumabo haben oder es nicht mitgekriegt haben, kurze Zusammenfassung: Die Zeit frägt Kevin Kühnert im Interview über seine Vorstellungen bezüglich des Sozialismus aus. Dabei erwähnt er grundsätzlich nichts gegen Kollektivierungen von großen Konzernen wie beispielsweise BMW zu haben. Und auf einmal haben wir anscheinend eine Novemberrevolution in Deutschland.

Aus den Reihen der Union wird ganz laut “DDR-Regime!” geschriehen während die FDP gar nicht weiß was sie zuerst kritisieren soll: Das junge Leute gegen die Parteilinie reden oder dass das eigene Kapital in Gefahr ist. Und die SPD macht da teilweise auch mit und fordert sogar den Parteiausschluss. Sach ma, gehts noch?

Diese jungen Leute…

Punkt Eins den Ich hier mal klipp und klar festhalten will, muss und auch gerne tue: Die Jusos dürfen sowas. Die Jusos sind nicht das Parteipräsidium. Die Jusos sind junge Leute mit Ideen, oftmals wohl etwas zu utopisch oder weltverbesserisch, aber wer, wenn nicht die jungen Leute, die unverbrauchten Leute dürfen sowas fordern? Ich halte die Aussage grundsätzlich erstmal für legitim als politische Meinung. Über die Umsetzbarkeit, den Nutzen, die Sinnhaftigkeit, etc. lässt sich streiten. Hier aber gleich von Zuständen wie in der DDR zu warnen zeugt mehr von fehlender politischer Bildung und geistiger Unreife.

Der Umgang mit Kevin selbst

Punkt Zwei der mir auch wieder recht schnell aufgefallen ist: Es ging innerhalb kürzester Zeit wieder um Kevin und nicht um seine Aussage. Der Maschmeyer tweeted dummes Zeug, die anderen äußern sich per Pressemitteilung zum fehlenden Studienabschluss. Wieso? Was soll denn diese Art der Diskussion wenn ich mal fragen darf?
Wir beschweren uns über fehlenden Anstand im Weißen Haus und verhöhnen anschließend junge, engagierte Politiker*innen weil diese Ihre Ideen vorbringen und wundern uns dann warum genau diese jungen Leute massenweise auf die Straße rennen um gegen Artikel 13 oder den Klimawandel zu demonstrieren? Ja ne, is klar. Aber naja, das ist nur noch mal kurz meine subjektive Meinung zur aktuellen Diskussion. Kommen wir mal zum eigentlichen Thema: Sollten Firmen kollektiviert werden

Was ist denn dieses “Enteignen” von dem jeder redet?

Ich rücke direkt mal mit meiner Ansicht raus: Nein. Grundsätzlich sollte nicht jedes Unternehmen kollektiviert werden und das auch nicht über sonstige Vorschriften vereinfacht werden. Im Gegenzug sind dann aber auch Gewinne & Verluste zu privatisieren.
Ich halte es für nicht sinnhaft einem Start-Up im Jahr 2019 in Aussicht zu stellen “Hey, wenn du in 10 Jahren groß genung bist kannst du kollektiviert werden!”.
Weiterhin sind Enteignungen im deutschen Recht unfassbar kompliziert. Wahnsinnig interessant zwar auch aber das eher aus juristischer Sicht.

Dennoch, der alte ̶d̶̶o̶̶k̶̶t̶̶o̶̶r̶̶b̶̶e̶̶t̶̶r̶̶ü̶̶g̶̶e̶̶r̶, Entschuldigung, wir wollten uns ja an die Netiquette halten. Deswegen zitiere Ich auch nicht den Bundesminister für Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer und sein neustes literarisches Abenteuer im Bezug zur Sozialismusdebatte. Was Ich aber zitiere sind die momentan laufenden 65 Enteignungsverfahren unter BM Scheuer. Aber der lehnt ja bekanntlich Enteignungen ab. Ach ne, nur von (Auto)konzernen anscheinend.

Schlussendlich muss Ich sagen: Enteigenen geht schon. Aber nur im richtigen Kontext. Gerade für die Daseinsvorsorge halte Ich eine Enteignung bzw. Kollektivierung für nicht verwerflich. Jetzt allerdings wahllos mit der Kollektivierungsflinte durch die Welt laufen und hier die Idee des demokratischen Sozialismus zu verbreiten ist nicht förderlich.

Ich, wenn Leute meinen demokratischer Sozialismus ist wie Kommunismus

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