Kommunalpolitik: Hof kann mehr

Hallo zusammen, ich hab heute mal was kommunalpolitisches dabei. Ich komme aus Hof an der Saale (kann man mal googlen) und wir haben einige Probleme hier. Deshalb hat die Lokalzeitung "Frankenpost" vor kurzem einen offenene Aufruf gestartet, einfach mal alles aufzuschreiben was man verändern wird. Dies habe auch Ich mal getan. Deshalb hier komplett und ungekürzt mal mein Beitrag (musste nicht mal nen neuen Blogbeitrag schreiben, geniales Timemanagement)

Sehr geehrtes Redaktionsteam,
gerne (wenn auch etwas verspätet) würde Ich mich zu dem Thema äußern.
Ich würde mal mit dem krassesten bzw. dem auffälligsten anfangen: der Innenstadtsentwicklung.
Egal ob Kaufhof als prominentes Beispiel oder auch die kleineren Läden, alle kämpfen mit stetig zunehmendem Internetkäufen und demnach abnehmenden Einzelhandelskäufen. Dem kann niemand widersprechen. Aber ist denn wirklich das Internet hier das einzige Problem?
Ich halte das für ein bisschen zu einfach. Klar, wirtschaftlich gesehen ist der Kampf Internet vs. Einzelhandel schnell entschieden. Und zwar für beide Seiten. Hier würde Ich gern etwas genauer einhaken. Steigende Mietpreise sind auch in der Hofer Innenstadt problematisch geworden. Hier kann die Stadt natürlich nicht viel machen aber an anderen Preisschrauben kann gedreht werden. Beispielsweise die Auflage von einem Mindestangebot von Parkplätzen für die innenstädtischen Gewerbetreibenden. Hat ja mindestens ein Geschäft verhindert (Fast-Food-Restaurant im ehemaligen Mengin). Nebenbei mal angeschnitten, ein Fast-Food-Restaurant hätte der Altstadt auch ganz gut getan denke Ich. Hier können wir nämlich lediglich die Nordsee und Wärschtlamänner auffahren. Wenns aber mal etwas mehr oder etwas weniger fischig sein soll, siehts in der Stadt schlecht aus.
Problematisch ist natürlich auch der abnehmende Besucher- bzw. Kudenstrom. Hierfür braucht es entweder attraktive Läden oder eben andere Attraktivitäten in der Stadt. Welche das seien sollen, hängt wohl auch massiv von der Umgestaltung von Teilen der Innenstadt ab. Es könnte sich hierbei um Konzerte (Innenhofkonzert bspw.) aber auch Märkte sein. Die Innenstadt bzw. Altstadt muss ein Veranstaltungshotspot werden um den Einzelhandel zu unterstützen. Dies sieht man m.E. bereits sehr gut am Abendleben: Egal in welche Bar man abends in der Innenstadt geht, Sitzplätze sind eher rar. Die Hofer haben also Lust in Ihre Stadt zu gehen. Und da wir diesen Status Quo immernoch haben muss es doch auch möglich sein, die Hofer auch vor Sonnenuntergang zum Einkaufen, Bummeln und Kaffee trinken kriegen?
Wenn Ich sehe wie die Stadt Hof auf die Glühweinparty am Weihnachtsmarkt stolz ist, welche um 22 Uhr endet und eher noch weniger Zulauf hat als ein normaler Weihnachtsmarkt-Tag muss Ich mich schon fragen: Was läuft heir schief? Warum sind auf der Schwarzenbacher Party die gleiche Anzahl, wenn nicht sogar noch mehr, an Leuten obwohl diese Veranstaltung 1. nicht beworben, 2. im Landkreis und 3. im kleineren Umfeld stattfindet? Dies ist symptomatisch für so ziemlich jede Veranstaltung die von der Stadt unterstützt wird (mit sehr großer Ausnahme des Bürgerfest). Und da hilft es auch nichts die Facebookseite der Stadt in jeder Veranstaltung als Mitveranstalter in Facebook einzutragen…
Hier müsste die Stadt ein wirksames Management verfolgen. Sei es als Stabsstelle oder sei es als Erweiterung der Wirtschaftsförderung, es muss auf jeden Fall professionell gemanaged werden.
Ein weiterhin wichtiger Punkt, den Ich aber eher kurz halten möchte, ist wohl die Arbeitsplatzsituation. Hof ist bekannt für hohe Arbeitslosigkeit und im Durchschnitt Niedrig-Qualifizierte Jobs. Je niedriger die Qualifizierung des Jobs desto niedriger auch das verfügbare Einkommen und folglich auch die Kaufkraft. Ein Oberbürgermeister hat hier die Stadt als attraktiven Ort für Unternehmen zu bewerben und nicht darauf zu hoffen, irgendeine Firma meldet sich schon. Doch warum sollte sich ein Unternehmen hier niederlassen? Allein das logistische Argument spricht sehr für Hof. Angebunden an drei wichtige Autobahnen, Güterverkehrsanbindung die bereits ausreichend war und jetzt noch weiter ausgebaut wird, Mitten in Europa und Deutschland, zwischen den Frachtflughäfen Nürnberg und Leipzig. Zusätzlich eine Hochschule (mit genug Absolventen die auch wirklich gern hier bleiben würden aber eben nicht Informatiker oder Ingenieure sind und deshalb keine “nützlichen” Fachkräfte im Raum Hof sind), niedrige Grundstücks- und Erschließungskosten und massig Platz. Das einzige was verkehrstechnisch gegen Hof spricht sind die Ampelschaltungen und der Straßenzustand aber hier ist ja immerhin Besserung in Aussicht.
Als letzten wichtigen Punkt möchte Ich noch schnell was zum Wohnraum sagen. Ja, Hof bietet günstigen Wohnraum. Ja, Hof bietet auch recht viel Wohnraum. Aber eben auch viel Müll. Gerade im Bahnhofsviertel findet man viel sanierungsbedürftigen Wohnraum der dann durch super niedrige Mietpreise gerechtfertigt werden soll. So kanns nicht gehen. Die Stadt muss hier gezielter auf die Eigentümer zugehen und Ihnen beistehen bei der Bürokratie für Sanierungsprojekte bespielsweise. Der Landkreis Hof hat dies bereits mit dem erfolgreich arbeitenden Leerstandsmanager Fabian Höhne durchgesetzt. Dies könnte also auch für Hof bald umgesetzt werden. Weiterhin ermutige Ich die Stadt auch mal “Ja” zu alter Bausubstanz zu sagen. Auch mal “Ja” zu Wohnungen für sozial schwächer gestellte zu sagen und nicht nur Prunkpalais zu errichten bzw. zu errichten lassen. Auch bitte Ich in diesem Zug um ein “Ja” für eine sozialere Wohnungsbaugesellschaft bzw. Stadterneuerung.

Ja, mit Hof läuft vieles falsch. Jeder kennt andere Probleme in Hof weshalb dieses Projekt unfassbar wichtig ist. Aber Hof ist weiß Gott nicht so bescheiden wie wir vom Rest Bayerns dargestellt werden.
Die kulinarische Welt mit Rindfleischwurst oder Hofer Brodwöschd wofür wir angehimmelt werden, die Biere der Braurerei Meinel & Scherdel welche unverkennbar sind und überregional einschlagen wie Bombe, die Vereinsvielfalt der sportbegeistertenden Hofer wo sich manche Großstadt davor verneigen muss, die Kulturangebote von der Alten Filzfabrik oder awalla bis zum Zoologischen Garten der durch Spenden der Hofer weiterhin ein klasse Angebot anbietet, seien es die Kneipen und Restaurants in denen man Abends für gutes Geld leckeres Essen & Getränke in allen möglichen Variationen erhält oder oder oder…
Wir alle wissen: Hof hat durchaus was zu bieten. Lasst uns unsere Heimatstadt positiv in die Welt hinaustragen und sie so verbessern.
Mit freundlichen Grüßen
Sascha Kolb
Vorsitzender Jusos Hof

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